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Manfred Junker Quartett: Peace of Mind

Manfred Junker (g) Jochen Feucht (s) German Klaiber (b) Matthias Daneck (dr)

The Question / This is for now / Peace of mind / Feast of famine / Sadness 8 AM / Elvin in five / Rain Song / Dark blue / How long lasts forever / Dawn to dusk

Das seit 1996 bestehende Manfred Junker Quartett hat in verschiedenen Besetzungen bislang vier CDs veröffentlicht und wartet zum 10jährigen Jubiläum 2006 mit der fünften Produktion „Peace of mind“ auf. Generell dem modernen Jazz in seinen verschiedenen Richtungen verpflichtet, drückt sich in Junkers Eigenkompositionen die enorme Spielfreude der Band aus, verbunden mit einem Mass an Interaktion, das sich nur über eine lange Zeit gemeinsamer Arbeit entwickeln kann. Die Vorliebe für melodiebetonten Groove und Swing, die sich wie ein roter Faden durch die bisherigen Produktionen zieht, ist dabei ein Markenzeichen des Manfred Junker Quartetts geworden, das die Zuhörer schon seit Jahren in seinen Bann zieht! Manfred Junker, Gitarrist und Bandleader, studierte an der Jazzschule St.Gallen (CH) und mit einem Stipendium am Berklee College of Music (USA). Neben der Arbeit mit seinem Quartett spielt er auch im Duo mit German Klaiber (CD: Meeting Mr.Rodgers). Der Saxofonist Jochen Feucht ist als Leader und Sideman auf vielen CDs vertreten. Seine musikalische Tiefe wird neben perfekter Technik und Intensität seines Spiels immer wieder von Jazzkritikern gelobt und von Musikern geschätzt. German Klaiber ist einer der meistgefragten Kontrabassisten des süddeutschen Raums (spielte u.a. mit dem Lilly Thornton Quartett, Ack van Royen, Jiggs Whigham, ...). Matthias Daneck am Schlagzeug hat Referenzen, die sich wie ein „who´s who“ des Jazz lesen – sein energetischer Drive sowie sein intuitives, musikalisches Gespür machen ihn zu einem Traum-Drummer für jede Band. Der bisherige musikalische Werdegang der Band ist auf vier CDs dokumentiert: “Directions” (2003), Factory outlet records (im Vertrieb von www.jazz-network.com) „Exploring Cole Porter – Live!“ (2001), Edition Collage/GLM EC 531-2 (www.edition-collage.de) “Moving on…” (1999), Gaya Music 03214 (Deutschland), BMG Ariola 7869551091-2 (Schweiz) „Dig it!“ (1997), Gaya Music GM 02214

Factory Outlet Records /rec 2005 /ModernJazz /JewelBox /CDs: 1

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Rezensionen

Akustik Gitarre Mai/Juni

Gitarre und Tenorsaxophon bilden oft ein gutes Gespann, denn der Klang im gleichen Register bringt einen weichen Sound im Unisono, der sich - gute Musiker an beiden Instrumenten voraus gesetzt - sehr angenehm mischt. Diese Voraussetzung ist beim Manfred Junker Quartett gegeben:
Der Bandleader an der Archtop und Saxophonist Jochen Feucht ergänzen und unterstützen sich auf Peace of Mind' her vorragend. Beide werden von German Klaiber am Kontrabass und Matthias Daneck am Schlagzeug rhythmisch kompetent und geschmackvoll begleitet, so dass die zweitägige Studio-Session, Ende 2005 aufgezeichnet, als lebendiges Zusammenspiel aus den Boxen kommt.
Der Absolvent des Berklee College und der Jazz-Schule St. Gallen hat zehn hörenswerte eigene Kompositionen für diese CD geschrieben. Junker spielt mit schönem Ton, gutem Timing und vielen Ideen. Sein Sax-Kollege Feucht hat auf sei nem Instrument exakt die gleichen Vorzüge, was die beiden für eine erfolgreiche Zusam menarbeit prädestiniert. Sehr beeindruckend ist das Unisono-Thema bei Feast Or Famine': Trotz des hohen Tempos klingt das Stück sehr locker. Danach kommt die auf der Steelstring-Acoustic intonierte Ballade ,Sadness 8am' gerade recht, um die Ohren wieder zu entspannen. Bei dem harmonisch spannenden Intro zu Elvin in 5' schaut Leo Brouwers Etude Nr. 6 verschmitzt um die Ecke, der Rain Song' verarbeitet ein Motiv im 7er-Takt. Das Highlight ist wohl der Moll Blues Dark Blue; sehr schön dicht, mit einem Klasse-Thema und feinen Soli. Bei diesem Stück werden in einer markanten Überleitung mehrmals aus Viertel-Triolen Viertel, bis wiederum die gleiche Überleitung zurück zum Anfangstempo führt. Das ist nicht nur formal, sondern auch musikalisch genial. Unbedingt anhören! Peter Autschbach


agas (Agentur: Gitarre / Alexander Schmitz)


Der Goldene Schnitt

Ja, die Steelstring Flattop ist auch wieder dabei ("Rain Song" und das Sologitarre-Stück am Schluss der Platte, "Dawn to Dusk"), und insofern ließe sich vermuten, dass alles so geblieben ist, wie's war. Aber das letzte Mal, dass ich mich so über seinen Einsatz der Flattop im Jazz gefreut habe, war eine reine Duo-Situation, das Setting äußerst intim, warm, persönlich, aber eben noch kammermusikalischer. Für seine neueste Veröffentlichung hat Manfred Junker indes die Rückkehr zum Quartett gewählt, und damit ist "Peace of mind" [factory outlet records über www.jazz-network.com] die fünfte dieser Formation. Kurzum: Die Chemie hier ist bestens.

Alos doch viel Vertrautes? Aber ja, und warum auch nicht. Die gemäßigte Moderne, die fast also postmodern zu apostrophieren wäre, weil Junker in seinen zehn Kompositionen nicht im Vokabular der Moderne kommuniziert, sondern über die ästhetische Sprache der Moderne. Sie wird reflektiert. Sie wird das durch Kontrastierungen, durch Junkers eigentümlich berückenden Sinn für Melodik vor allem, aber auch durch den feinen, nie überzogenen, nie dick aufgetragenen Drive und Swing der ganzen Gruppe, von Bassist German Klaiber also, Drummer Matthias Daneck und auch wieder Jochen Feucht auf Tenorsax und Klarinette.

Postmoderne als Rekurs auf eine als verloren annehmbare Zeit? Sehr wohl. Die Intimität der erwähnten Duo-CD "Meeting Mr Rogers" ist auch im Quartett fast körperlich spürbar, ebenso deutlich spürbar wie die Klarheit in Ausdruck und musikalischem Statement. Tja, und wenn schon Rekurs, dann zielt der wohl am ehesten auf Jimmy Guiffre, Ralf Pena und Jim Hall oder - falls überhaupt - vergleichbare Kammerjazz-Gruppen aus einer Zeit, als Halls Spiel noch weit mehr Wärme hatte als später. Es ist seltsam mit den Gruppen von Manfred: Einerseits kommt das alles schlank, sehr gepflegt und sauber daher, andererseits aber ist da immer wieder diese Verbindlichkeit, diese Wärme, die einen beim Hörern fast von Anfang an zu umgeben scheint. Es spricht eine bewundernswerte Entspanntheit aus der Junkerschen Musik, die nicht nur auf seine - und der Band - große Sicherheit im Umgang mit den Materialien verweist, sondern auf ebenso bewundernswerte Ordnung in Kopf und Bauch. Nichts überanstrengt, nichts strapaziert das Ohr, was aber nie und nimmer die Vermutung zuließe, dass hier einer gewissen Gefälligkeit gehuldigt würde.

Eher ist man geneigt, den Titel des Albums trotz seiner inhaltlichen Größe "beim Wort" zu nehmen. "Peace of mind" - mit diesem so schwer übersetzbaren mind, das "Geist" sein kann, "Bewusstsein" - heißt der ja, und das ist nicht die Aussage eines 80jährigen am Ende eines Weges, sondern die eines vergleichsweise jungen, äußerst sympathischen Mannes, der damit vermutlich genau das mitteilen will, was die Musik transportiert: Ruhe, Balance, Harmonie und Gleichgewicht - das Gleichgewicht zwischen den Musikern, das Gleichgewicht der Musik, die sich weder zur Seite allzu großer Kopfigkeit, noch zu jener eines allzu sorglosen Aus-dem-Bauch-Spielens neigt, sondern in wunderbarer Einheit von Form und Inhalt für nichts weiter steht als für sich selbst: Tiefe, Eleganz, Komplexität und Raffinement trotz †bersichtlichkeit, Weiträumigkeit, klare Definierbarkeit voin Klangbild wie von musikalischem Gehalt.

Bei Junker schwebt nun mal nichts in irgendwelchen anämischen Höhen. Er ist, bei allem Anspruch an sich, seine Musik und die Gruppe auf gewinnende Weise down to the ground. Er hämmert niemandem ein musikalisches Statement ein wie ein Agitprop-Argument. Dafür hat er zu viel Stil und zu viel Geschmack, kurz: zu viel Kultur. Er, Feucht, Klaiber, Daneck, alle vier. Alle vier machen Musik in dem breiten, gut auslotbaren Raum zwischen Introvertiert- und Extrovertiertheit. Genau das ist ihr Charme, ihre Anziehungskraft. Sie reden nie zu viel, sie plaudern nicht herum, sie klatschen nicht. Sie tuscheln nicht, sie lügen nicht, sie bluffen nicht. Sie geben nicht an, sie schneiden nicht auf, sie stapeln nicht hoch. Sie wissen alle genau, was zu viel ist, was zu wenig ist. Sie kennen den Goldenen Schnitt zwischen Quantität und Qualität. Zwischen Gestern und Heute. Zwischen Monolog und Dialog. Zwischen Reden und Zuhören. Tempus loquendi, tempus tacendi.

Es ist also, gar keine Frage, wieder ein ganz großer Wurf geworden.

Alexander Schmitz




Barbosa-Lima, Carlos: Carioca Tuinen, Francien van: Muzyka