CDs
DVDs
Bücher
Kopf-Hörer
Angebote
Top20
Stöbern
CDs
Europe
CDs

Johannes Repka: Metanoia

Johannes Repka (g) Rudi Mahall (b-cl) Christopher Dell (vib) Dejan Terzic (dr)

Metanoia / Short Moments of S. / Israel / Charged for crime / Clusterwolken / Solarline / Alone together / Congor / Nonono / Traum

Der Berliner Gitarrist Johannes Repka präsentiert sein Werk Metanoia - Musik für großes und kleines gemischtes Ensemble. Eine besonders gelungene Verbindung von Neuer Musik und Jazz. Neben einem 50-köpfigen Orchester sind die renommierten Solisten Rudi Mahall (b-cl) Christopher Dell (vib) Dejan Terzic (dr) zu hören. Johannes Repka gilt als einer der vielversprechensten Talente des deutschen Jazz.

Konnex Records /rec 2004 /ModernJazz /JewelBox /CDs: 1

Anzahl | Quantity:   St

Auf den Merkzettel



Rezensionen

Jazzpodium 2006-04

Er ist ein exzellenter Gitarrist, vor allem aber ein außergewöhnlicher Komponist und Arrangeur: Der 27-jährige Wahl-Berliner Johannes Repka ist einer der profiliertesten Jazz-Musiker der jüngsten Generation. Anfang des Jahres debütierte er mit einer CD in orchestraler Großbesetzung. Dabei gelang ihm, unterstützt von den Solisten Rudi Mahall, Christopher Dell und Dejan Terzic, eine kompositorische wie spieltechnische Großtat im Grenzbereich von Jazz und Klassik. Die Messlatte für zukünftige Projekte liegt also denkbar hoch. Und eines ist sicher: Wenn Johannes Repka weiterhin mit derart großen Schritten durch den zeitgenössischen Jazz schreitet, wird er sehr weit kommen.
Gäbe es ein „Guiness-Buch" des Jazz, hätten Sie sich darin einen Eintrag verdient. Für die Aufführung der Abschlussarbeit Ihres DiplomStudiums Komposition und Arrangement konnten Sie nicht nur erstklassige Solisten gewinnen. Sie wurde gleich als Programmpunkt in das renommierte Mannheimer Gegenwelten-Festival aufgenommen und begeistert gefeiert.
Das Wort Abschlussarbeit ist hier ein wenig irreführend. Im Vordergrund stand die Kompositionsarbeit. Und irgendwann habe ich mich dann dazu entschlossen, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und sie sozusagen zur Abschlussarbeit zu erklären. Vor allem aber ging es mir darum, mit „Metanoia" ein Zeichen zu setzen. Es wird heutzutage gerade von Jazzmusikern viel darüber geklagt - und das ja durchaus zu Recht -, dass es immer weniger Geld für künstlerische Projekte gibt und die Bedingungen sich zunehmend verschlechtern. Nur bringt dieses Klagen nicht viel. Deshalb habe ich die Produktion der Live-Aufführung wie der CD auch selbst übernommen und die Gelder organisiert. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass man, wenn man sehr genau weiß, was man will, enorme Energien in sich freisetzen und wirklich etwas bewegen kann.
Die Produktion trägt den Titel: „Metanoia", was philosophisch „die Gewinnung einer neuen Weltsicht" bedeutet, im geistlichen Sinne aber auch eine „innere Umkehr" oder Buße beschreibt. Ein sehr bedeutungsschwerer Titel für ein Debüt.
Für mich hat der Titel tatsächlich die Bedeutung einer inneren Umkehr, einer nach vorne gerichteten Besinnung auf die bislang gesammelten Erfahrungen. Durch die Betrachtung der eigenen Entwicklung zu einer neuen Sichtweise zu gelangen, das war die Idee, die hinter dem Namen „Metanoia" steckt. Man könnte den Titel also frei übersetzen mit: das jeweils Aktuelle hinterfragen und durchdringen, um sich weiterzubringen.
Die Musik auf „Metanoia" ist ein permanenter Grenzgang zwischen Jazz und moderner klassischer Musik bzw. Neuer Musik. Die Jazzmusiker sind hier integraler Bestandteil des Orchester-Konzepts und die Orchestermusiker müssen auch mal improvisieren oder dissonant spielen.
Ich habe die Qualität von guter Orchestermusik sehr früh schätzen gelernt. Dabei spielten Komponisten wie Strawinsky, aber auch Formationen wie das Ensemble Modern mit seinen fließenden musikalischen Grenzen eine große Rolle. Für mich steckte in diesen Impulsen das, was dem Jazz ein wenig fehlt. Es war die klangliche Vielfalt, die mich gereizt hat. Ich wollte mich einfach nicht auf das typische Jazz Quartett beschränken.
Welche Rolle spielt vor diesem Hintergrund die Struktur in Ihrer Musik?
Sie spielt insofern eine große Rolle, als sie eine offene ist. Sie bietet, im Gegenteil zur konventionellen Klassik den Musikern immer genügend Freiheiten, sich selbst sehr tief einzubringen und die Werke bei jedem Auftritt neu entstehen zu lassen. Denn nur so kann sich Musik immer weiter entwickeln.
Als Gitarrist sind Sie auf „Metanoia" erst spät richtig präsent. Hatten Sie als Komponist und Arrangeur Angst, hier zu sehr als Instrumentalist wahrgenommen zu werden?
Ja, das kann man,so sagen. Was ich auf alle Fälle verhindern wollte, ist, dass ein solches

Projekt als Selbstinszenierung wahrgenommen wird. Es haben zu viele Musiker zu viel Engagement in dieses Projekt gesteckt, um am Ende eine einzelne Person in den Vordergrund zu rücken. Das ergäbe eine komplett falsche Botschaft. Außerdem wollte ich das für mich Neue, also insbesondere das große Orchester, unbedingt ausreizen. Darüber habe ich das, was ich besonders gut kenne, also die Gitarre, ein wenig in den Hintergrund gerückt. Und im Übrigen finde ich, dass diese Musik die Gitarre tatsächlich nur in dem Maße braucht, wie sie eingesetzt ist.
Als wichtige Einflüsse für die Hinwendung zum Jazz geben Sie Keith Jarretts Trio, John Coltrane und Greg Osby an. Alles Musiker, die auf klassischen" Jazz-Instrumenten brillieren. Beschreibt dies am Ende ein leicht gebrochenes Verhältnis zu Ihrem Instrument, der JazzGitarre?
Sehr interessant, dass Sie das sagen! Ich würde nicht sagen, dass ich ein gebrochenes Verhältnis zu meinem Instrument habe, aber vielleicht zu diesem typischen Jazzgitarren-Sound beispielsweise eines Wes Montgomery mit einem fetten und mit wenigen Höhen auskommenden Sound. Ich fand das handwerklich zwar immer sehr gut, konnte mich darin aber nie wieder finden. Meine eigenen Stücke haben, sicher auch zeitbedingt, einen anderen Sound, vielleicht ein bisschen rockiger. Aber ich denke, das ist ohnehin eine starke Tendenz auf dem Gebiet der Jazzgitarre, wenn man beispielsweise Frank Möbus nimmt, den ich gut kenne und der als eine Art Mentor bei „Metanoia" fungiert hat. Bill Frisell und John Scofield wären weitere Beispiele.
Beim Hören Ihrer Musik sehe ich eigentlich Bilder. Weniger konkrete, als changierende Farbflächen. Wie wichtig ist Ihnen eine solche Bildhaftigkeit in Ihrer Musik?
Sie spielt eine sehr große Rolle, weil ich mich für einen sehr visuellen Menschen halte. Ich habe früher ein wenig mit Videos experimentiert und auch etliche Filmmusiken geschrieben. Beim Orchestrieren von „Metanoia" habe ich mir übrigens die Klavierauszüge genommen und Motive farblich gekennzeichnet. Ich habe also im Grunde eine Partitur gemalt, wobei die Farben für einzelne Instrumente oder Instrumentengruppen standen. Dadurch sind regelrechte Buntstift-Gemälde entstanden. Und so habe ich auch komponiert: nicht nur in Noten, sondern tatsächlich in Farben.
Volker Doberstein
CD
Johannes Repka „Metanoia", Konnex KCD 5161 www.johannesrepka.de









FAB: Live at the Iron Works, Vancouver Schlicht, Ursel - Radding, Reuben: Einstein's drea