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Thomas Siffling Jazz Quartet: Soft Wind

Thomas Siffling (tp/flh) Rainer Böhm (p) Uwe Lange (b) Markus Faller (dr)

For Dad / Open Eyes / Latin Dreaming / Fall Fog / Soft Wind

Wie "schön" darf Jazz eigentlich sein? Das Thomas Siffling Jazz Quartet gibt eine Antwort. Die Formation zelebriert eine Art von Musik, in der die Euphonie europäischer Tradition eine atemberaubende Liaison mit der Expressivität des Modern Jazz eingeht.

Als "Contemporary European Jazz", also als zeitgenössischen europäischen Jazz, bezeichnet denn auch Thomas Siffling die Musik seines Quartetts. Seine Kompositionen kommen bei aller harmonischen Raffinesse nicht kraftmeierisch daher. Die Stücke sind über weite Strecken beseelt von einer Poesie, deren "sophistication" den Zuhörer schon nach den ersten Takten in ihren Bann zieht. Die Arrangements sind weit und flächig angelegt, lassen so den Musikern viel Raum für Soli und spontane musikalische Interaktion. Vor diesem Hintergrund kommt Sifflings ausdrucksvoller, warmer Trompetenton wunderbar zur Geltung.

Thomas Siffling, 1972 in Karlsruhe geboren, hat in Mannheim Jazz studiert und wohnt dort seit 1994. Er ist mehrfacher Preisträger bei "Jugend jazzt" und erhielt im März 1999 als Trompeter, Komponist und Bandleader den mit 10 000 DM dotierten Förderpreis der Stadt Mannheim für junge Künstler. Thomas Siffling war von 1992 bis 1995 Mitglied des Landesjugendjazzorchesters Baden-Württemberg (Leitung: Bernd Konrad), 1996 Mitglied des Bundesjugendjazzorchesters (Leitung: Peter Herbolzheimer) und ist selbst seit 1998 Initiator und Leiter der "Mannheim Jazz Big Band". Tourneen führten ihn nach Südamerika, Malta, Spanien, Polen, in die Ukraine, nach Frankreich und in den Libanon. Er arbeitete schon mit Jazzgrößen wie z.B. Frank Foster, Al Porcino, Bobby Shew, Karl Ratzer und Maria Schneider zusammen.

Neben seinem eigenen Quartett und der "Mannheim Jazz Big Band" ist Thomas Siffling noch in weiteren Projekten involviert - im "Fritz Münzer Quintett", in dem außergewöhnlichen Quartett "Polyphonix" und "Caribbean Breeze", der Band um den Sänger Rene´ Hector Colon.

Satin Doll Productions /rec 1999 /ModernJazz /CDs: 1

Rezensionen

[ amazon.de ]

Gute und sehr emotionalgeprägte Musik mit schönen Stimmungen zum Träumen. Musik mit der man sich näher beschäftigen sollte. Die Wirkung der Musik hilft einem zu entspannen und relaxen. großartig!!

[ Jazz Podium, Juli/August 2000 ]

Die Quantität gespielter Noten wird auch im Jazz nicht selten mit Qualität der Musik verwechselt. Da ist es schon bemerkenswert, wenn ein junger Trompeter mit seinem Quartett eine Jazz-CD mit eigenen Kompositionen aufnimmt, die mit ihren flächigen Arrangements Platz für logisch entwickelte Improvisationen und musikalische Kommunikation lassen. Die Rede ist von Thomas Siffling, dem aus Karlsruhe stammenden mehrfachen Preisträger bei "Jugend jazzt". Die fünf hier vorgestellten Kompositionen von Siffling sind jedoch alles andere als Schmuse-Jazz. Trotz spielerischer Leichtigkeit steckt in ihnen viel Dynamik, Spannung und Intensität. Etwa bei "Open eyes", das lebhaft beginnt und zeitweilig in einen leicht rockenden Rhythmus übergeht. Siffling verfügt auf der Trompete und dem Flügelhorn über einen wunderbar weichen, lyrischen Ton. Selbst virtuose Passagen, so bei "Latin dreaming", gelingen fern jeder Kraftmeierei mit Eleganz und Geschmeidigkeit. Rainer Böhm am Piano, der Bassist Uwe Lange und Markus Faller am Schlagzeug sind für Siffling mehr als nur Begleiter. Sie erweisen sich als echte musikalische "Gesprächspartner", die im harmonischen, kongenialen Miteinander Melodiefäden spinnen, Neues hinzufügen oder auch mit thematischen Einwürfen Abwechslung ins Spiel bringen. Wie in einer Lavalampe entstehen aus einem Fundus von Harmonien, Melodien und Rhythmen immer wieder neue Formen, die ineinander übergehen. Schönstes Beispiel: Das abschließende "Soft Wind" mit einem sehr kammermusikalischen Intro, das in besonderer Weise Stimmungen und Leidenschaften ausdrückt. (Andreas Geyer)

[ Stuttgarter Zeitung, 18.03.2000 ]

Töne, wohl geformt
Neue CD von Thomas Siffling
Normalerweise zeigen junge Musiker auf ihren ersten Platten, wie virtuos und schnell sie spielen können. Der Trompeter Thomas Siffling verzichtet in "Soft Wind" auf derartige Schaustückchen. Stattdessen setzt er in fünf Eigenkompositionen wohl geformte Töne mit klaren Konturen. Dies klingt so gelassen, als zähle der Absolvent des Jazzstudiengangs der Musikhochschule in Mannheim bereits zu den erfahrenen Alten.
Rainer Böhm am Flügel, Uwe Lange am Bass und der Schlagzeuger Markus Faller sind ideale Partner für den jungen Trompeter, denn auch sie meiden Spektakuläres zu Gunsten wie selbstverständlich wirkender Klasse. So kann Thomas Sifling in "Latin Dreaming" getrost zu weiten Melodiebögen ausholen, während die drei anderen für einen federnden Untergrund mit immer wieder neuen Figuren sorgen.
Langsam und bedächtig entwickeln sich die Balladen und die in mittleren Tempi gehaltenen Stücke, und obwohl sie um die zehn Minuten lang sind, wirkt keines langweilig. (ws)

[ MEIER STADTMAGAZIN - Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg, 1/ 2000 ]

Thomas Siffling - Junger Deutscher Löwe
Zweifelsfrei: Thomas Siffling ist derzeit im Delta der Star unter den Jazztrompetern, Leiter der Mannheim Jazz Big Band, Mitglied des Bundesjazzorchesters, gefragter Sideman von Fritz Münzer, Steffen Weber und Co., Lehrer an der Jazz & Pop School Darmstadt und Träger des Förderpreises der Stadt Mannheim für junge Künstler 1998. Auf Anhieb fand er für seine aktuelle Debüt-CD "Soft Wind" einen seriösen Vertrieb und präsentiert sie jetzt während einer kleinen Tournee im heimatlichen Mannheim im Rahmen eines CD-Release Concert. Obwohl wir inzwischen von ihm auf und vor der Bühne gewichtige Töne gewohnt sind, zeigt sich Siffling auf "Soft Wind" von einer etwas anderen Seite: Die Mainstream-Kompositionen sind melodiebetont, virtuos, sanft und geschmeidig. Alles scheint sich irgendwo am Missouri bei 40 Grad im Schatten mit extrem hoher Luftfeuchtigkeit abzuspielen, aber nicht am Rhein. Ähnlich den sogenannten Young Lions aus Berkley und anderswo, besitzt Siffling, neben der außergewöhnlichen Begabung, hohes handwerkliches Können, Geschmack und Instinkt und kann dies geschickt auf zeitgemäße Weise kombinieren. Alle der im Studio eingespielten Titel haben das Zeug, zu oft gespielten Hits um Mitternacht herum zu werden. Ein etwas intensiveres Herangehen, ein Hauch inspirierteres Spiel, etwas mehr Biss wäre meiner Meinung nach dafür ein großer Gewinn gewesen. Unabhängig davon sind es schöne Stücke. "For Dad" , zum Beispiel, ist ein melancholischer Traum, eine Widmung, die liebevoller kaum sein könnte und in "Open Eyes" wird mit den unterschiedlichsten Visionen des Vorausschauens gespielt. Ideen, Linien, die fast altmeisterlich verlaufen - und dennoch Zeitgeist atmen. Die Erwartungen für das Konzert sind also hoch. Es wird mit Thomas Siffling und sein Quartett mit Rainer Böhm, Sebastian Mark, Uwe Lange und Frank Möbius als Gast nicht leicht werden. In der Klapsmühle wird sich zeigen, wie gut ihre Nerven sind und was in den Stücken noch alles steckt - oder ob bereits alles Oberkante Unterkante getan wurde. (Matthias Creutziger))

[ Jazzzeitung, 1/2000 ]

Zwei Uptempo Nummern und als drittes Stück folgt eine Ballade. Diese Regel gilt für Jazz von der Konserve, aber auch fürs Livekonzert. Der Grund? Viele Musiker haben Angst bei zu "ruhiger" Musik die Aufmerksamkeit ihres Publikums zu verlieren.
Vielleicht nicht ganz zu Unrecht. Denn das Balladenspiel erfordert seit jeher souveräne und stilsichere Musiker. Bei seiner neuen CD "Soft Wind" bricht Thomas Siffling das ungeschriebene Gesetz. Egal ob "Latin Dreaming", "Fall Fog", "Open Eyes" oder "For Dad": Alle Stücke legen Wert auf Klangfarbe, expressive Melodielinien und ruhigen Charakter. Der volle, warme Ton des jungen Trompeters aus der badischen Rheinebene kann ebenfalls überzeugen. Erfreulich mit dieser CD eine Band mit jungen, noch unbekannten Musikern kennenzulernen, die ein eigenständiges und musikalisches Konzept präsentiert, das sich nicht an der "Jazz-DIN-Norm" zahlreicher begabter, aber langweiliger Berklee-Absolventen orientiert. (Andreas Kolb)

[ Mannheimer Morgen, 4.11.99 ]

Die Wohlklang-Fassade trügt
Debut-CD des Jazz-Trompeters Thomas Siffling
Mannheims Söhne machen nicht nur im Pop-Bereich von sich reden. Auch die junge Garde der Jazzmusiker sorgt allmählich für Furore - allen voran der Trompeter Thomas Siffling. Der Kulturförderpreisträger der Stadt Mannheim von 1998 hat jetzt seine erste, von vielen Fans mit Spannung erwartete CD veröffentlicht. "Soft Wind" heißt die Platte des Thomas Siffling Jazz Quartetts, die auf Satin Doll Productions (SDP 1030-1) erschienen ist. Der Trompeter präsentiert darauf eine sehr europäisch geprägte, kammermusikalische Spielart. Der Tonfall der Gruppe, die ausschließlich eigene Stücke interpretiert, ist lyrisch, gepflegt und verfeinert. "Soft Wind" erinnert an den Ästhetizismus der Münchner Plattenfirma ECM. Doch hinter der Wohlklang-Fassade brodeln Turbulenzen: Siffling und seine Truppe nutzen die rhythmischen und kollektiven Freiheiten des zeitgenössischen Jazz. Der Trompeter offeriert seinen Mitmusikern großen solistischen Raum. Unüberhörbar ist die "kontrollierte Freiheit" des Miles Davis Quintetts aus den mittsechziger Jahren einer der Orientierungspunkte dieser Band, die das Konzept aber etwas glättet und schönt.
Der vibratolose, lyrische Sound von Miles Davis schwingt auch mit in Sifflings hellem, wunderbar luftigem Trompetenton. Aber Siffling bläst weichere, geschmeidigere Melodiebögen, sein Horn ist nicht so sehr getränkt vom Bitterstoff des Blues als vielmehr von der Innerlichkeit und Melancholie europäischer Romantik. Verträumt und melancholisch wirken seine Balladen, in denen man förmlich den Hauch durch das Metall strömen hört. Bei den Tempo-Passagen prescht er dagegen in bester Jazz-Manier in trippelnden Stakkato-Schritten und weiten Intervallsprüngen durch die Harmonien - ein hervorragender Improvisationsgestalter, der etwa in der Ballade "For Dad" aus einer einfachen absteigenden Tonfolge ein opulent aufblühendes Solo zaubert. Jazz und Klassik verbindet auch Rainer Böhm am Klavier. Delikater Anschlag und druckvoller Swing, schwerelose Arpeggios und hornartige Melodie-Phrasen sind bei ihm keine Gegensätze, sondern Bestandteile eines ausgereiften Personalstils zwischen Bill Evans und Herbie Hancock. Hervorragend setzt sich die Rhythmusgruppe in Szene: Markus Faller, ein subtiler, feinnerviger Drummer, bringt - raschelnd, zischelnd und wischend - zarte Pastellrhythmen ins Spiel, sorgt für klangliche Fein-Colorierungen. Die rhythmische Verankerung besorgt der Mann am Bass, Uwe Lange zupft prononcierte, fein ziselierte Linien, brilliert mit präzisen Arco-Passagen, besticht auf "Latin Dreaming" in einer Unisono-Passage, bei der sich der Bass an die Trompete anschmiegt wie eine Posaune. Für mich ist Lange die Neuentdeckung in einer Gruppe, die es für viele Zuhörer erst noch zu entdecken gilt. Sie setzt Maßstäbe für die Jazzszene im Rhein-Neckar-Raum. (Georg Spindler)



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